Nächtliche Landschaft in Ölpastell - FLAUMRAUM
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Nächtliche Landschaft in Ölpastell

Das erste Motiv: der Warthebruch bei Nacht, die blaue Stunde schon fast vorbei und Nebel, der sich langsam aus den Wiesen erhebt. Der Mond steht bereits am Himmel, die Schatten werden tiefer, Konturen verschwimmen und Farben werden zu Nuancen. Die menschenleere Szene ähnelt einer Traumlandschaft – ruhend und still, aber auch dunkel, schmerzlich. Ölpastelle erweisen dich dafür als perfektes Medium, um die nächtlichen Stimmungen einzufangen: das Einreiben der Kreide ins Papier, das Verreiben mit den Fingern – diese Direktheit entspricht der Unmittelbarkeit des nächtlichen Erlebens, wo die Sinne anders funktionieren.

Ölpastellkreiden auf Papier, 20 x 30 cm

In der Dämmerung verwandelt sich die Landschaft grundlegend. Die “ästhetische Erkenntnispraxis” (Jung, 2015) ereignet sich anders – weniger durch scharfes Sehen, mehr durch Ahnen und Spüren. Die weichen Kreiden mischen sich in dieser Halbdunkelheit zu Schattierungen, die dem Tageslicht fremd sind. Es entstehen keine scharfen Abgrenzungen, sondern fließende Übergänge – wie in der Dämmerung selbst, wo alles ineinander übergeht. Dabei entspricht die traumähnliche Qualität der Dämmerungslandschaft der Beschaffenheit von Erinnerung selbst: verschwommen, emotional aufgeladen, zwischen Realität und Imagination schwebend, geisterhaft. An diesem geschichtsträchtigen Ort kann man sich fragen: wer ist hier sonst noch anwesend?

Die Nachtlandschaften eröffnen einen neuen Pfad in der künstlerischen Spurensuche. Wenn “verschiedene zeitliche Horizonte verschränkt” werden (Hopf, 2020), dann geschieht das in der Dämmerung auf besondere Weise – die Zeit wird fließend, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. Die Abwesenheit von Menschen in diesen Bildern wird zum Raum für die Anwesenheit der Erinnerungen.

Literatur

Hopf, A. (2020). Weg zur Wirklichkeit – Schichten der Erinnerung. In: Collage als künstlerische Forschungsmethode.

Jung, E.-M. (2015). Die Kunst des Wissens und das Wissen der Kunst. In J. Badura et al. (Eds.), Künstlerische Forschung. Ein Handbuch (S. 27-42). Zürich/Berlin: Diaphanes.