Schwarzer Grund - FLAUMRAUM
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Schwarzer Grund

Die erste Landschaft auf schwarzem Grund entstand wie von selbst. Ich gab zunächst dem Bedürfnis nach, als Symbol der Trauer die ganze Leinwand schwarz zu grundieren. Überraschend für mich war, wie wohltuend sich dies anfühlte, das Schwarz als Fundament für das weitere Vorgehen zu wählen. In der Kunsttherapie gilt Schwarz als die Farbe, die “alle dunkelsten Gefühle wie Trauer, Verzweiflung oder Kummer in sich vereint” (Guilt Free Mind, 2025). Jung nannte es den “Schatten” – den dunklen Teil des Selbst, ein Symbol für Tod, Trauer und Mysterium (Creative Counseling 101, 2023).

Dann kam als zweiter Schritt das Auftragen der Farben. Nicht als Überdeckung, sondern als Dialog. Schneelandschaft mit Birken. Die Farben dick und opak aufgetragen, immer heller werdend – “Licht in die Sache bringen”. Es fühlte sich an, als würde ich meine eigene Lebendigkeit dem Dunklen gegenüber stellen. Was dabei geschah, war bemerkenswert: das Schwarz verlor seine erschreckende Wirkung, blieb aber als strukturgebendes Element erhalten. Von der verschluckenden Fläche wandelte es sich zum halt- und strukturgebenden Rahmen. Die Umrandungen der Objekte, das dunkle Muster der Birkenrinde – das Schwarz bekam eine neue Bedeutung. Es darf Teil des Ganzen bleiben, aber seine Funktion wandelt sich. Was zunächst überwältigend und bedrohlich wirkte, wurde zu einem tragenden Element der Komposition.

Einen weiteren Raum eröffnete der spielerische Umgang mit Schatten. Statt sie dunkel zu belassen, interpretierte ich sie farbig, was der Schneelandschaft etwas Surreales verlieh. Diese farbige Interpretation der Schatten griff noch einmal das schwarze Grundieren auf: der Schatten wurde zum Spielraum für Dinge, die nur dort zu finden sind. Er wurde nicht mehr nur als Abwesenheit von Licht verstanden, sondern als Anwesenheit von etwas anderem.

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Prozess: die Angst vor der Trauer wurde überwindbar, indem ich versuchte, das Dunkle nicht zu verdrängen, sondern in die Bildgestaltung zu integrieren. Die schwarze Grundierung schuf dabei einen sicheren Raum für die Auseinandersetzung mit diesen Emotionen. Wie Sarah Smith in den Grief Stories beschreibt: “Die Absicht war es, den Prozess zu genießen und gleichzeitig einen gesunden mentalen und emotionalen Ausweg zu bieten” (Smith; Grief Stories, o.J.). Das Schwarz wird zum Container für das Schwere – es verschwindet nicht, aber es verschluckt auch nicht mehr alles.

Literatur

Creative Counseling 101. (2023). What do the Colors Mean in Art Therapy & Color Psychology?https://www.creativecounseling101.com/what-colors-mean-art-therapy-color-psychology.html

Smith, S.; Grief Stories. (o.J.). There One Day and Gone the Next: Art Therapy and Grief. https://www.griefstories.org/there-one-day-and-gone-the-next-art-therapy-and-grief/

Guilt Free Mind. (2025). Significance of colors in Art Therapy. https://www.guiltfreemind.com/art-therapy/colors-in-art-therapy/

Weiskittle, R. E., & Gramling, S. E. (2018). The therapeutic effectiveness of using visual art modalities with the bereaved: A systematic review. The Arts in Psychotherapy, 57, 1-10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5798551/